Wie alles begann...

Manchmal muss ich mich wirklich kneifen, wenn ich daran denke, dass es schon zehn Jahre her ist, dass ich mein Unternehmen gegründet habe. Wie können bitte zehn Jahre derart schnell vergehen? 

So kann ich mich natürlich auch nicht an alles erinnern, was damals passierte, ich erinnere mich aber genau an das Gefühl, das ich damals hatte. Es gab in mir so ein inneres Sehnen nach etwas, das ich nicht weiter benennen konnte, ein Loch, das ich nicht füllen konnte, doch die Tatsache, dass ich immer mal wieder mit Depressionen zu kämpfen hatte, ist für mich besonders im Nachhinein ein eindringliches Zeichen gewesen, dass etwas mit meinem Leben ganz und gar nicht stimmte.

Zu der Zeit hatte ich bereits seit 1996 im Buchhandel gearbeitet und ein Studium in Dänemark abgeschlossen, bei dem ich bis heute nicht so recht weiß, was man damit eigentlich machen kann. Ich sehe die drei Jahre an der Uni in Sonderburg heute auch als Versuch, meinem Leben eine andere Richtung zu geben, obwohl relativ schnell klar war, dass ich mich auch da etwas verirrt hatte. Sprachen zu studieren, wenn man ein gewisses Talent dafür hat, liegt zwar nah, war aber genauso wenig zielführend wie der Fakt, dass ich Buchhändlerin geworden bin, weil ich gerne lese. Und weil ich nach dem Abi nicht wirklich wusste, was ich machen sollte.

Dabei gab es ja immer wieder deutliche Hinweise des Universums, dass mir immer wieder zuflüsterte: Lass deiner Kreativität freien Lauf! Nicht umsonst hatte ich seit meinem zweiten Lebensjahr immer mal wieder die Rampensau herausgelassen, denn Musik und Tanz, das war genau mein Ding! Ich war ein sehr lustiges Kind, das immer viel gelacht hat und auch gerne andere zum Lachen brachte. Über einige meiner "Showeinlagen" sprechen wir heute noch.

So habe ich sehr viel Zeit im Ballettstudio verbracht und seit 2001 auch viel auf den niederdeutschen Brettern, die die Welt bedeuten, gestanden. 

Christine Hüsch in "Allens vertüdelt bei der Niederdeutschen Bühne Flensburg

(C) Niederdeutsche Bühne Flensburg. Mit Bent Larsen in "Allens vertüdelt" 2012

Meine kreative Ader hat allerdings den Durchmesser eines Gartenschlauchs und deshalb war das alles nicht genug. So kam ich auf die Idee, Postkarten zu entwerfen. Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass ich mir da ein richtiges Unternehmen zusammenbasteln würde, eigentlich wollte ich zu Beginn nur, dass auch steuerlich alles seine Richtigkeit hat, wenn ich nebenberuflich etwas verkaufe und habe deshalb ein Gewerbe bei der Stadt Flensburg angemeldet.

Gut gerüstet mit einem kleinen Grafikprogramm, einer Druckerei im Rücken und vielen Ideen im Kopf habe ich mich dann an meine ersten Motive gewagt. Durch meine Kontakte im Buchhandel und einiges Klinkenputzen kamen dann immer weitere Geschäfte dazu, die meine Karten verkauft haben und siehe da: Die kamen richtig gut an! 

Was als kreativer Ausgleich zu meinem Job angedacht war, entwickelte sich dann immer weiter. Ich habe mir vieles als Autodidaktin angeeignet, immer getrieben davon: Wie funktioniert das? Kann ich das selber machen? Kann ich das irgendwo lernen? Viel learning by doing war mit im Spiel. Und ich habe auch ganz schön viel Murks gemacht. 

So richtig ernst wurde aber alles erst, als ich 2014 meinen Job verlor. Was ich damals aber als gar nicht so schlimm empfunden habe, denn eigentlich war das ein Glücksfall - ich war schon so lange nicht mehr glücklich in meinem Beruf, und inzwischen glaube ich, dass alles so kommen musste. 

Je mehr Energie und Ernsthaftigkeit ich in mein Unternehmen steckte, desto mehr kam am Ende dabei heraus. Die Umsätze wuchsen, mein Bekanntheitsgrad wuchs und mein Schritt, es doch nochmal mit dem Buchhandel zu versuchen in einem anderen Laden mit einem anderen Team, das mich und mein Beiwerk, das ich in dieser Zeit in Ahoi-Werk umbenannt habe, kolossal unterstützt hat, stellte sich als genau richtig heraus.

Irgendwann habe ich dann aber eingesehen, dass der Wunsch nach unabhängigem Arbeiten, nach freier Zeiteinteilung, was auch mal arbeiten bis nachts um drei bedeuten kann, nach Selbstbestimmtheit zu groß geworden war. 

Deshalb habe ich den Buchhandel nun hinter mir gelassen und lasse mich komplett und mit ganzem Herzen auf mein Ahoi-Werk ein. Und so fühle ich mich tatsächlich das erste Mal in meinem Leben irgendwie "ganz". Es hat immer dieses eine Puzzleteil gefehlt und ganz lange konnte ich es nicht finden, habe mich darüber selber verloren und dann plötzlich hielt ich es in den Händen: Und es passt!

Wenn ich eines aus diesen letzten Jahren gelernt habe - und vielleicht war das die Mission, auf die mich das Universum bisher geschickt hat: Höre auf dein Bauchgefühl! Feel the fear and do it anyway! Was kann schlimmstenfalls passieren? Go for it! 

In diesem Sinne: Macht es einfach, auch wenn Ihr Angst habt: Es kommt immer etwas Gutes dabei heraus.

Eure Stine 

 


Schreibe einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen

Diese Website ist durch reCAPTCHA geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von Google.